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TEXTS
MARTINO STIERLI:
"DIAGRAMME DES ARCHITEKTONISCHEN",
BOLTSHAUSER SERIE, WASMUTH VERLAG, 2012

> GERMAN
OTTO KAPFINGER:
"ARCHITEKTUR IST UNSICHTBAR", BOLTSHAUSER
SERIE, ARCHITEKTURGALERIE BERLIN, 2012

> GERMAN
JEAN TOURETTE:
"PHILIPP SCHAERER - PHOTOGRAPHIE ET
ARCHITECTURE FICTIONELLE", KIBLIND LYON, 2010

> FRENCH
RETO GEISER:
"PHILIPP SCHAERER - BILDBAUTEN", STANDPUNKTE PUBLICATION, 2010

> GERMAN | > ENGLISH
MARTINO STIERLI:
"ARCHITEKTUR IN DER MÖGLICHKEITSFORM - ZU DEN BILDBAUTEN VON PHILIPP SCHAERER", 2010

> GERMAN
NATHALIE HERSCHDORFER:
"WHEN THE VIRTUAL BECOMES REAL", STANDPUNKTE PUBLICATION, 2010

> FRENCH | > ENGLISH
ALAN RAPP:
"INTERVIEW WITH PHILIPP SCHAERER", FOR CRITICAL TERRAIN, 2009
> ENGLISH
WALTER KELLER:
"BILDBAUTEN - BILDER VON PHILIPP SCHAERER", DU MAGAZIN, ISSUE No 787
, 2008
> GERMAN
OTTO KAPFINGER: "ARCHITEKTUR IST UNSICHTBAR", BOLTSHAUSER SERIE, ARCHITEKTURGALERIE BERLIN, 2012
Die Fotografie von Philipp Schaerer gibt keine Abbilder von Rogers Bauten. Sie folgt weder dem strengen Duktus der klassischen Bild-Publikation von Architektur, wo die Räume in einer Folge von Schau- und Wegachsen durchwandert, „vermessen“ und damit im Sinne ihrer Konzeption vorgestellt und „erklärt“ werden. Noch folgt sie der gegenläufigen Haltung einer subjektiv interpretierenden, romantischen Sichtweise, die das Spiel von Licht und Schatten, von Strukturen und Details, von Vordergrund und Hintergrund erforscht zur Findung von eigenständigen, sozusagen malerischen Flächenkompositionen und Bild-Ereignissen.

Schaerer macht etwas ganz anderes. Er benutzt eine Vielzahl von bildparellelen Digitalaufnahmen der einzelnen Bauteil-Ansichten, und setzt sie in einem minutiösen Fusions- und Kompilations-Verfahren zu neuen Bildkonstrukten zusammen. Auf den ersten Blick vermitteln die uns dann bloß auffallend strenge, frontale Ansichten. Doch irgend etwas irritiert sogleich unseren Eindruck: Es sieht alles einerseits extrem kontrolliert und realistisch aus, – und andererseits fast schon unwirklich. Denn diese Bilder zeigen uns die Bauten, wie man sie unvermittelt, mit eigenen Augen „in der Natur“ nie sehen kann, wie man sie aber auch mit dem klassischen, einäugig perspektivischen „Schuss“ der Architekturfotografie niemals in dieser Form einfangen, repräsentieren kann.  Wenn sie genau hinsehen: es gibt in den dargestellten Fassaden keine Tiefenperspektive. Auch ganz außen im Bild, wo etwa die Laibung einer Wandöffnung, eines Fensterrahmens, die Seitenfläche einer Stütze in normaler Perspektive schräg sichtbar sein müßte, bleibt alles in reiner Frontalansicht; es gibt auch keine Sonne in diesen Bildern, keine Schlagschatten, keine Wolkenstimmungen; gerade Linien im vordersten Vordergrund sind so planparellel über die ganze Bildbreite, wie wir sie nie mit unserer Augenoptik, aber auch mit keiner Kamera-Optik in dieser Konstellation „sehen“ könnten. Es ist, als wäre da die Kamera – oder unser Betrachtungs-Standpunkt – einen Kilometer vom Objekt entfernt und wäre der Bildausschnitt dann wieder so verkleinert, dass alle Raumspannung zwischen Vorder- und Hintergrund, zwischen Fassade und räumlichen Einblicken sich in die pure Fläche der Bildtafel zusammenpresst. Darüberhinaus hat Schaerer auch die Einblicke in die dargestellte Architektur digital weiterbearbeitet. Hinter den Glasflächen erscheinen „Innenräume“, die sich, in zweiter, dritter Lektüre, als variierte Wiederholungen einzelner, vielleicht „wirklich“ so gegebener Einsichten entpuppen – und es gibt hier noch etliche andere Manipulationen dieser Art an der Bildwirklichkeit.

Diese Fotos geben kein konventionelles Abbild der Bauten, sie unterlaufen den üblichen Repräsentationsgestus von Architekturausstellungen und Architekturpublizistik. Sie bieten vielmehr anhand der Bauten fotografische Kompositionen, die die speziellen Möglichkeiten digitaler Aufnahme und digitaler Bearbeitung so nützen, dass autonome Bildwerke entstehen: a-perspektivische Kompositionen, welche ihre abstrakte Zweidimensionalität hervorkehren und die übliche Raum-Illusion subtil verweigern, entkräften, – dafür uns BetrachterInnen aber im Gegenzug Gelegenheit geben, mit der händischen Drehung der großen Tafeln physisch zu agieren und damit konkrete und variable Raum-Zeitsituationen zu schaffen, Raumerlebnisse zu spüren.


© OTTO KAPFINGER