Introduction

Begleitend zu seiner künstlerischen Praxis, ist Philipp Schaerer seit mehreren Jahren engagiert in der Hochschullehre tätig. Nach der Leitung des Nachdiplomstudiums für CAAD unter Prof. Ludger Hovestadt an der ETH Zürich (2003-2008), unterrichtet Schaerer seit 2010 mit Lehraufträgen an verschiedenen Hochschulen der Schweiz und ist seit 2014 als Gastprofessor an der Architekturfakultät der ETH Lausanne tätig, wo er mehrere Semesterkurse im Bereich Kunst und Architektur im Masterstudium lehrt.

Kernelement seiner Lehre bildet die Auseinandersetzung mit der fragilen Beziehung von Objekt und seiner bildlichen Repräsentation - unter Einbezug der Informationstechnologie und computergestützten Darstellungsverfahren. Die Untersuchung visueller Phänomene in ihrem soziokulturellen und technologischen Zusammenhang ist Grundlage der Auseinandersetzung. Die Förderung des subjektiven Wahrnehmungsvermögens bildet der erste wichtige Baustein in seiner Lehrkonzeption; als zweiter Eckstein: das Vermitteln von Kreativitätsstrategien und experimentellen Kompositionstechniken, sowie abschliessend die Förderung des digitalen Ausdrucksvermögens anhand der Entwicklung eines erweiterten computergestützten Ausdruckvokabulars.

Nebst der Vermittlung verschiedener digitaler Bildverfahrenstechniken, dem Erarbeiten von digitalen Bildstrategien, Bildansätzen und Ästhetiken - die nicht nur eine möglichst exakte Umsetzung fotografischer Darstellungsweise verfolgen, sondern abstrakt, modellhaft wie auch übersteigert sein können und somit imstande sind, die Frage nach der Differenzierung zwischen Realität und Bild zu formulieren – nimmt das Vermitteln von experimentellen Entwurfs- und Kompositionstechniken einen besonderen Stellenwert in Schaerers Lehre ein. Das (bildliche) Zusammenbringen und Neuarrangieren von vermeintlich Unvereinbarem steht hier im Fokus: das Erschaffen von Bildkonstruktionen, in denen Alltagsgegenstände, Architektur-, Stadt- und Landschaftsfragmente miteinander verwoben und in neue Bild- und Bedeutungszusammenhänge gesetzt werden. Bildkonstruktionen, die wenig mit der Realität zu tun haben - Utopien im inhaltlichen Sinne - an deren Anfang ihrer Schaffungskette oft das Spiel, der Zufall, die Intuition und der Humor stehen können und so auch grundsätzlich dem Kreativen in seiner gestalterischen Tätigkeit die nötige Elastizität und Autonomie in seinem Schaffensprozess zugesprochen werden soll – und dies umso wichtiger in unserem Umfeld, das immer stärker von rationell arbeitenden Rechnern und Maschinen durchdrungen sein wird. 

Die jeweils in einem Vorlesungs- und praktischen Übungsblock organisierten Semesterkurse, sind thematisch in verschiedene Lehrmodule gegliedert, in denen die Studierenden jeweils abschliessend eine bildnerische Arbeit, oft in Form einer Bildserie, entwickeln. Je nach thematischer Ausrichtung des Lehrmoduls kommen Medien, wie die Zeichnung, die Grafik, die Fotografie, die Modellierung, die Montage, die Bildsynthese wie auch Video und Animation zum Einsatz – dies vorwiegend digital erzeugt und verarbeitet.

Einzelne Lehrmodule mit den darin entstandenen Studentenarbeiten waren Gegenstand von mehreren Publikationen und Ausstellungen: so unter anderem anlässlich der Ausstellung La Narration du Quotidien im Architekturforum in Lausanne (2016) sowie anlässlich der Ausstellung République Géniale im Kunstmuseum Bern (2018) in denen acht Lehrmodule mit den zugehörigen Studentenarbeiten (Imaginary Composites - Reconfigured Realitities) während der dreimonatigen Ausstellungsdauer grossflächig projiziert wurden.

Zusätzlich zu seiner Lehrtätigkeit an der EPFL pflegt Philipp Schaerer einen kontinuierlichen Austausch mit anderen Hochschulen und akademischen Körperschaften im In- und Ausland. So hat er schon zahlreiche Einladungen zu Gastvorträgen wahrgenommen – so auch an den Hochschulen wie der Princeton-, Rice- und der Yale University in den USA, am Royal Institute of British Architects in London (Colin Rowe Lecture Series), an der Royal Academy of Fine Arts in Kopenhagen, an der NTNU in Trondheim, an der FAUP in Porto, am Kunstgeschichtlichen Institut der Goethe-Universität in Frankfurt wie auch an der Bauhaus Universität in Weimar. Die vollständige Liste kann unter der Rubrik „Invited Lectures, Talks & Workshops“ eingesehen werden.

Writings & Reviews

  • Schaerer, P (2018, November). Nicht eine Frage der Software - Interview mit Philipp Schaerer zu digitalen Bildern in der Architektur [Meret Arnold, Interviewer. On the occasion of the exhibition "République Géniale" at the Kunstmuseum Bern]. > PDF (German)

  • Schaerer, P. (2019). Free your Imagination [Andri Gerber, Interviewer]. In A. Gerber & U. Götz (Eds.), "Architectonics of game spaces: The spatial logic of the virtual and its meaning for the real" (1st ed., pp. 95-110). Bielefeld: Transcript. > PDF (English)